Reitkunstunterricht

 

Reitkunstunterricht

Warum steckt das Wort „Kunst“ in meinem Reitunterricht? Und warum betreibe ich keinen „Reitsport“ in der Reitakademie Drei Eichen?

Es ist mein Bestreben, meinen Reitschülern einen sanften und durchdachten Umgang mit dem Pferd zu vermitteln. Pferd und Reiter in eine gesunde und wache Kommunikation zu bringen, durch immer feinere „Hilfen“ ist das Ziel.

Die größte anzustrebende Reitkunst eine minimierte Einwirkung auf das Pferd, das hört sich toll an- aber wie kommt man dahin?

Pferde sind einfühlsame Wesen. Sie scheinen die Intention des Reiters „lesen“ zu können, da wir allein durch den Gedanken an eine Bewegung kleinste körperliche Signale aussenden, die ein aufmerksames Pferd interpretieren kann. An dieser Kommunikation zu arbeiten steht klar im Vordergrund.

Gern fokussiere ich mich zuerst auf die Basis, eine gut funktionierende Grundkommunikation zwischen Mensch und Pferd, um dann an bestimmten Aspekten zu arbeiten, wie z.B. Seitengänge, Versammlung.

„Reitsport“ wird oft missverstanden. Es klingt fast wie „Krafttraining“ und das hat nichts mit der Anfangs erwähnten „Reitkunst“ zu tun. Mein Ziel ist es vielmehr daran zu arbeiten, viele kleine körperliche und geistige Vorgänge „unter einen Hut“ zu bringen. Reitkunst ist anspruchsvoll und deswegen erfüllend, es bedeutet Koordination und Fokussierung, körperlich wie geistig.

Ein Zitat was ich sehr zutreffend finde: „Reiten ist ganz einfach, es ist nur die Beachtung von tausend kleinen Details!“ – Nuno Oliveira. Und gleich noch eines meiner Lieblingszitate eines unbekannten Autors dazu „Nur wer sich selbst beherrscht, kann auch ein Pferd beherrschen.“
Ich biete folgenden Reitunterricht auf meinem Hof an:

  • Anfängerunterricht für Kinder / Wiedereinsteiger (gern auch ängstliche Reiter)
  • Physiologisch gesundes Reiten für jeden Reitstil
  • Renaissance- / Barock- Reitkunst (ca.1400-1770)
  • Angewandte historische Reitkunst:
    Ich beschäftige mich seit geraumer Zeit theoretisch und praktisch mit der im Mittelalter praktizierten Kriegspferde-und Reiterausbildung. Diese Art der Reiterei am Leben zu erhalten und wieder zu entdecken macht mir große Freude.

Die historische Weiterentwicklung der „Gebrauchsreiterei“ (darunter versteht man die zweckmäßige Nutzung von Pferden, wie z.B. Ranchworker sie noch heute praktizieren) wird heute z.B. in Form der Barockreiterei praktiziert und erfreut sich wachsender Beliebtheit.

In jeglicher Reitweise gibt es Grundsätze, die gut und richtig sind, die in der Sportreiterei aber leider oft vernachlässigt werden, sobald der Reiter erst einmal die Zügel in der Hand hält. Einer dieser Grundsätze lautet, das Pferd nicht in eine ungesunde Haltung zu zwingen, was man aber leider allerorts sieht.
Dressurlektionen mit starrem Blick auf eine bestimmte Haltung und totale Kontrolle des Pferdes sind das Eine. Auf einem Pferd zu sitzen, das quasi „mitdenkt“ und einhändig geritten saubere Traversalen geht, während man ein Schwert führt, das Andere.
Durch die Rückbesinnung auf das Reiten eines Pferdes z.B. im Kampf (man denke an Ritter, spanische Stierkämpfer, Reitervölker mit Wurfspeer oder Bogen) ergeben sich mannigfaltige Möglichkeiten für die spielerische Übung der Grundelemente des „guten“ Reitens mit feinen Hilfen.
Deswegen sollten angehende Ritter lernen, ein mitdenkendes Pferd nahezu unmerklich lenken zu können, um Hände und Kopf für den Kampf frei zu haben.
Hierzu bieten sich aus der historischen Literatur rekonstruierte Übungen (sogenannte Exerzizien) wie Ringstechen, Medusenkopfstechen, Rolandreiten, Formationsreiten oder Tjosten an.
Meine Pferde sind dankbar für diese Art der Zusammenarbeit und entwickeln, wenn man ihnen den Raum lässt und sie motiviert, eigene Ideen zur Aufgabenlösung.

Mein Werdegang
Durch meine Ausbildung am DIPO zum Pferdephysiotherapeut und dem Besuch zahlreicher weiterer Lehrgänge konnte ich von erfolgreichen Größen in der Reitsportwelt lernen, deren Ausbildungs- und Unterrichtsmethoden studieren.

Ich selber reite seit über 30 Jahren, hatte phasenweise sehr intensiv Unterricht, und in späteren Zeiten bis zu fünf Berittpferde am Tag. Dabei lag mir immer vor allem die Gesundheit der Pferde am Herzen. Aber wie kann man ein Pferd „gesund“ reiten?
Mein Anliegen ist, Theorie und Praxisteil sinnvoll zusammen zu führen, weswegen regelmäßig Seminare auf Drei Eichen stattfinden. Zusammenhänge historischer Reiterei und warum es so wichtige Unterschiede zum heutigen Reitsport gibt, werden bei mir eingehend erläutert. Ich möchte durch mein Engagement, meinen Pferdeverstand und meine positive Einstellung jeden Reiter und die Pferde auf eine freundliche, ungezwungene Art und Weise motivieren.
Meine Pferde werden fortwährend geschult, Aufgaben werden dem Reiter verständlich erklärt.

Ich möchte Menschen dazu bringen, ihre Freude an der Reiterei zu entdecken, sie wieder zu entdecken, oder neue Sichtweisen zu entwickeln.

Angewandte Reitkunst mit Waffengängen zu praktizieren oder Pferde in den Schulen über der Erde (wie z.B. die Kapriole) zu üben, oder 10 Jahre Vollzeit eine Ausbildung zu Pferde zu absolvieren ist nicht für jedermann und sprengt den Rahmen unserer heutigen Möglichkeiten.
Meiner Ansicht nach kann man aus der früheren Reiterei, von ca. 1100-1800, als das eigene Leben vom Partner Pferd abhing, viele positive Erkenntnisse für den Umgang mit Pferden gewinnen und eine mental und physisch gesunde Reitweise daraus auf unsere heutige Zeit übertragen.

„Ein Pferd ohne Reiter ist immer ein Pferd.
Ein Reiter ohne Pferd nur ein Mensch.“
(Stanislaw Jerzy Lec)